Weihnachts Chili con Carne mit Bier

Dieses Chili ist mit Weihnachten verbunden, weil wir seit drei Jahren eine neue «Tradition» haben: Am 24.12. gibt es Chili con Carne. 2015 und 2016 gab es das sogar öffentlich im Buddy’s Pub als Begleiter zu einem lokalen Bier. Mit (damals neuen) Freunden, einem Bier und einer essbaren Kleinigkeit in das Fest der Liebe einzusteigen, ist eine schöne Sache.

Mein Chili und ich – eine historische Betrachtung

Meine Chili-Geschichte fing früh an. In meinen Teens war meine Mutter Vegetarierin (ist sie heute wieder) und hat mir klar gesagt: «Wenn Du Fleisch willst, musst Du selbst kochen.» Damals kam mir das extrem ungerecht vor, war doch der Wunsch nach Fleisch in meiner Wahrnehmung nichts Aussergewöhnliches. Aus heutiger Sicht muss ich ihr dankbar sein: So habe ich gelernt zu kochen, zu experimentieren und heute ist das für mich fast wie eine Meditation: Ich entspanne mich beim Kochen, schalte ab.

Und am Chili selbst ist auch meine Mutter schuld. Sie hatte ein «Chili sin Carne», das sie regelmässig machte und das – trotz des fehlenden Fleisches – lecker war. Meine erste sichere Erinnerung an mein eigenes Chili con Carne ist ein Videoabend mit meinem Freund Draddi (Name der Redaktion und allen Mitschülern bekannt). Natürlich wollte ich ein «anständiges» Essen anbieten und damals (vor rund 30 Jahren) kam mir alles ohne Fleisch nicht präsentabel vor… was sich inzwischen zum Glück geändert hat. Vor dem Videoabend habe ich mich also in die Küche gestellt und ein Chili zubereitet; sehr einfach, Zwiebeln, Kidneybohnen, Hackfleisch, Paprika/Peperoni und Tomatenmark/Sugo; wenig Aufwand und ein essbares Ergebnis.

Draddi kam zu uns, wir haben viele Filme angeschaut, vor dem Fernseher das Chili gegessen und spät abends habe ich ihn dann noch auf meiner 50er Zündapp nach Hause gefahren. Noch Tage später hat er sich über die windigen Folgen des Chili beschwert. Aus heutiger Sicht lag das sicher an der zu kurzen Zeit auf dem Herd… Alles war zwar durch, aber die Paprika/Peperoni nicht richtig zerkocht.

Jedenfalls habe ich danach immer wieder Chili con Carne (und manchmal auch sin Carne) gekocht, vieles ausprobiert, verändert, manchmal verbessert, manchmal verschlechtert, kurz: viel gelernt.

An Weihnachten 2015 war ich grade kurz mit meiner Lebensgefährtin zusammen und sie hat an Weihnachten den Bar-Dienst im Buddy’s Pub übernommen. Ich schlug vor, zu helfen und ein bisschen Chili zu machen, so dass die Leute eine Kleinigkeit zum Bier essen können. Also habe ich fast einen ganzen Tag damit verbracht, rund 18 Liter Chili zuzubereiten (grob nach dem unten stehenden Rezept, nur mit Wein). Die Leute waren so begeistert, dass wir das 2016 wieder gemacht haben. Auch der grösste Teil unseres Freundeskreises kennt und mag dieses Chili. Und damit ich mir das Rezept nicht jedes Mal neu zusammenschreiben muss, steht es jetzt hier (so ein Link ist ja leicht verschickt).

Zutaten

Zutaten fürs Weihnachts-Chili

Die zerstückelten Zutaten für das Weihnachts-Chili

  • Tomaten: 4 grosse, gewürfelt, rund 1kg
  • Paprika/Peperoni: 4 grosse rote, gewürfelt, rund 1 kg
  • Chili (rot): 3 kleine, gehackt
  • Butter: 40g (zum Anbraten der Zwiebeln)
  • Gemüsezwiebel: 1 grosse, gewürfelt, rund 400g
  • Rote Zwiebeln: 3-4 kleine, in Halbringe geschnitten, rund 150g
  • 3-5 Zehen Knoblauch
  • Schwarzer Kristall von Appenzeller Bier: 330ml
  • Kidneybohnen: 2 grosse Dosen, 290g, abgespült
  • Mais: 1 kleine Dose, 140g (für die Farbe)
  • Speck: in Würfeln, rund 300g
  • Hackfleisch vom Hochlandrind (Power-Farm, Lyssach): rund 800g
  • Rindsbouillon: ca. 330ml

Gewürze:

Das Rezept

Wir fangen mit der meditativen Arbeit an (hier können wir auch versuchen, unser Umfeld einzubeziehen): Das Würfeln der Paprika/Peperoni und der Tomaten. Anschliessend werden die Chilis noch kleingehackt und zum Schluss die Gemüsezwiebel in Würfel und die roten Zwiebeln in (Halb-) Ringe geschnitten. Ich könnte jetzt sagen, dass die Halbringe viel besser zu essen sind oder den Geschmack besser entfalten. Der Grund dafür ist aber schlicht, dass ich das motorisch besser hinkriege.

Anschliessend nehmen wir einen grossen Topf (bei mir ein klassischer orangefarbener Le Creuset Topf), in dem wir mindestens sechs Liter unterkriegen, ohne dass uns Angstschweiss kommt. Dort schmelzen wir die Butter und rösten anschliessend die Zwiebeln an. Anrösten! Die Röstaromen sind durchaus wichtig für den Geschmack, ein andünsten ist zwar gesünder, aber weniger schmackhaft.

Wenn das Zwiebelrösten erste braune Spuren hinterlässt, pressen wir zuerst den Knoblauch rein und löschen das Ganze dann mit dem Bier ab. Wenn alles wieder schön kocht, kommen Tomaten, Paprika/Peperoni, Chili, Kidneybohnen, Mais und die Bouillon rein. Deckel drauf und den Topf leicht köcheln lassen und für eine gute Stunde gepflegt ignorieren (alle paar Minuten umrühren).

Ich habe die Schreie gehört: «UND DAS FLAAAISCH, WAS IST MIT DEM FLAIAAISCH?». Ganz ruhig, das kommt jetzt: Wir schnappen uns eine gute (gusseiserne) Pfanne und schmeissen die Hälfte des Specks rein. Diesen schön auslassen/anbraten, bis die Speckwürfel einem freudig entgegenspringen (deswegen ist dieses Rezept nur ausgesprochen eingeschränkt zum Nacktkochen geeignet). Anschliessend die Hälfte des Hackfleischs dazugeben und würzen. Ich verwende das Rosmarin-Knoblauchsalz von Würzmeister und RedLine Argentina vom Coop. Das Fleisch jetzt so lange anbraten, bis die Pfanne «trocken» wird (kein Fleischsaft mehr). Dann das Fleisch in den grossen Topf zum Gemüse geben.

Das Ganze wiederholen wir mit der zweiten Hälfte der Speckwürfel und des Fleischs. Man könnte das auch auf einen Rutsch machen, unsere Pfanne hat aber keinen Durchmesser von 60cm, den man dafür wohl bräuchte.

Ist alles im grossen Topf und noch nichts über den Rand rausgelaufen, schmecken wir mit einer scharfen Sosse und süssem Paprikapulver ab. Aber Vorsicht: Während des weiteren Köchelns entwickelt sich noch Schärfe. Also eher konservativ würzen und zum Schluss noch abschmecken. Da Chilischoten ein Glücksspiel sind (mit den angegebenen vier Schoten sind wir irgendwo zwischen «naja» und «holy shit!»), brauche ich nur in ca. 1/3 der Fälle tatsächlich scharfe Sosse.

So, jetzt noch eine niedrige Stufe finden, auf der das Chili wirklich nur noch ganz leicht köchelt, und auf dieser Stufe den Herd arbeiten lassen – idealerweise für 5-8 Stunden. Dabei alle halben Stunden mal umrühren.

Weihnachts-Chili kocht

Das Weihnachts-Chili kocht und kocht und kocht

Ist die maximale Zeit durch, die sie warten können, oder wenn die Gäste anfangen, mit Besteck zu werfen: Abschmecken mit scharfer Sosse, eventuell etwas Salz, Paprika nachgeben und das Chili mit einem Schuss Crème Frâiche servieren.

Statistik

  • Ergebnis: Rund 4l (8 Portionen)
  • Portion: Rund 0.5l + 50ml Crème Fraiche
  • Kalorien: 550 + 150 kcal
  • Protein: 40 + 1 g
  • Kohlenhydrate: 22 + 2 g (davon Zucker: 15 + 2 g)
  • Ballaststoffe: 10 g
  • Fett: 29 + 15 g

Sollten sie jetzt zweifeln: «Das ist zu viel für eine Person und ich habe keine sieben Freunde.» Sie haben Recht (also bezüglich der Menge, wie viele Freunde sie haben, kann ich nicht sagen). Das Chili lässt sich aber sehr gut einfrieren und genauso leicht aufwärmen. Es ist eine gute «Notfallration» im Gefrierschrank für Überraschungsbesuch oder akute Kochunlust.

Zutaten und Allergien

Ausser den offensichtlichen Zutaten sind insbesondere die Gewürze interessant, weil ich (auch im Pub) gelernt habe, dass man auf Vieles allergisch sein kann. Als Heuschnupfen-Explosionsherd hätte ich das auch früher realisieren können:

  • Bio Rosmarin-Knoblauchsalz von Würzmeister: Salz, Knoblauch, Rosmarin, Salbei, Ringelblumen
  • Argentina von REDLine von Coop: Salz, Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Paprika, Pfeffer, Zitronenmyrte, Kreuzkümmel, Oregano, Thymian, Zitronenschalen, Orangenschalen

Das Chili hat eine gradezu wundersame Wirkung auf den Blutzucker. Ich tendiere dazu, das einem echten Wunder zuzuschreiben, aber vermutlich gibt’s dafür eine einfache medizinische Erklärung.

Variationen

Das Chili kann auf vielerlei Weise variiert werden. Ich probiere öfter neues aus, weil ich hoffe, noch was Besseres zu finden. Mit den Jahren wird das aber schwieriger.

Generell kann das Hackfleisch ersetzt werden. Ich habe hier das von Hochlandrind verwendet, weil es einfach lecker ist. Stattdessen kann es je nach Geschmack auch durch gemischtes Hackfleisch (Rind/Schwein) oder anderes Rinderhack ersetzt werden.

Chili Sin Carne

Man kann das Chili ohne Fleisch zubereiten. Es gibt zum Beispiel sojabasierten Hackfleischmix, der meiner Meinung nach sehr gut ist (fragt mich nicht nach Marken… ich kaufe das nicht. Da ist meine Mutter die Spezialistin).

Das Fleisch zu ersetzen ist ein kleineres Problem, die Speckwürfel sind da schon schwieriger. Eine Option ist es, stattdessen kleingewürfelten Feta-Käse zu verwenden. Geschmacklich geht das in eine ganz andere Richtung, ist aber auch lecker.

Chili mit anderem Bier oder Wein

Zum Ablöschen kann auch ein anderes Bier oder ein Rotwein verwendet werden. Wenn sie also keinen Zugang zu «Schwarzer Kristall» von Appenzeller Bier haben: Verzweifeln sie nicht.

Als Bier eignen sich insbesondere Dunkelbiere wegen des Geschmacks. Bei Rotwein muss man ein bisschen vorsichtig sein: Ich habe mal einen starken Rioja verwendet und das Ergebnis war… sagen wir: es hatte Potential nach oben. Mit anderen Rotweinen (weniger intensiv) habe ich dagegen gute Erfahrungen gemacht.

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