Hirnflimmern

Endlager für Abfälle aus Irenes Hirnwindungen

Willkommen bei meinem 385. Blogversuch. Seit rund sechs Jahren versuche ich nun, einen privaten Blog zu veröffentlichen. Noch während ich diese Zeilen schreibe, weiss ich nicht, ob ich dieses «Baby» nun tatsächlich live schalten werde. Wenn du diese Zeilen liest, habe ich es wohl getan.

«Warum, um himmelswillen?!», magst du dich jetzt vielleicht fragen… Tja, wenn ich das so genau wüsste. Angefangen hat alles 2012, als ich in einem Wohnhaus in Bern mit vielen tollen Leuten an der Lancierung von Journal B tüftelte. Damals startete ich den ersten Versuch. Twitter & Co. waren gerade «so richtig» in der Schweiz angekommen und irgendwie hatte ich das verzweifelte Gefühl, als Journalistin alle meine Gedanken, Kommentare & Ideen in die Welt herausposaunen zu müssen. Ich war (und bin es eigentlich immer noch) der fixen Meinung, dass nur diejenigen der schreibenden Zunft überleben werden, die sich ausreichend um ihr «Self-Marketing» kümmern. Und dazu gehörte damals ein eigener Kanal. Weil, mit den 140 Zeichen auf Twitter (damals) kommt man ja nirgends hin und bei Facebook war man noch zu sehr in der Freundeszone, um all seine Verwandten und Bekannten mit seinen kruden Ideen zu schockieren.

Ich bloggte also unter irenthali.com – über so relevante Themen wie etwa ein iPhone-Game, das ich vor kurzem zu spielen begonnen hatte. Was Besseres kam mir nicht in den Sinn. Wann immer ich bloggen wollte, blieb die Fläche mit dem blinkenden Cursor weiss und leer. Das heisst, ich hatte da schon ganz viele Ideen. Nur der Mut, diese Texte zu veröffentlichen, fehlte. Ich hatte Angst vor den Reaktionen und/oder das Gefühl, dass meine Ansichten sowieso zu wenig relevant seien. Und was, wenn ich mal tatsächlich nicht Recht haben sollte (ja, das kann tatsächlich passieren)?

Soviel zum Thema «Self-Marketing». Wohl mit ein Grund, warum ich als Journi aufgegeben habe und mich wieder meinen angestammten Themen wie Marketing, PR, Kommunikation und Kochen widmete. Die Blog-Idee war jedoch noch nicht begraben. Ich konzentrierte mich nun eher auf seichte Themen; Kochen beispielsweise. Du ahnst es... Ja, ein Foodblog musste her! Ich probierte so viele tolle Rezepte aus und stand praktisch während meiner ganzen Freizeit in der Küche. Also begann ich mir ein Konzept für einen Foodblog zurecht zu legen. Ob des ganzen Aufwandes war ich dann schlussendlich schon ein «bitzeli» erstaunt (um es vorsichtig auszudrücken). Besonders die Food-Fotografie brachte mich an den Rand des Wahnsinns. Da der lang ersehnte Lotto-Gewinn ausblieb und ich nicht acht bis zehn Stunden täglich in einen Foodblog namens «Finger ab dr Röschti!» investieren wollte und konnte, trug ich diese Idee auch wieder zu Grabe.

Zwischen Meinungs- und Food-Blog hin- und hermäandernd, haute ich in den letzten Jahren Rants und Kurzgeschichten in die Tasten und war nachher meist massiv enttäuscht, dass ich noch immer kein passendes Gefäss zur Veröffentlichung gefunden hatte. Dabei ging es mir – ausser bei den Rezepten, die ich immer wieder gerne weitergebe, falls ich sie nicht vorher «vernusche» – nicht in erster Linie um die Aussenwirkung. Sondern hauptsächlich um ein Endlager, in dem ich die ganzen Abfälle aus meinen Hirnwindungen deponieren kann. Dennoch, insbesondere bei Rants, möchte ich die Menschen an meinen Gedanken teilhaben lassen. Und manchmal vielleicht sogar ein bisschen mit ihnen streiten, falls unsere Meinungen total auseinander gehen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin Perfektionistin. Es war für mich bis vor kurzem undenkbar, etwas konzeptloses zu veröffentlichen. In den letzten Jahren bin ich aber – durch verschiedene Umstände und glücklicherweise – entspannter geworden. Und so ist schlussendlich an einem Sommernachmittag die Hirnflimmern-Idee entstanden. Den Begriff habe ich übrigens schamlos geklaut: Während meiner Zeit als Redaktorin bei der Jungfrau Zeitung hatte mein Redaktionsgspänli Bettina jeweils einen «Hirnflimmern»-Ordner auf ihrem Mac. Darin war ziemlich viel kompromittierendes, redaktionsinternes Material enthalten. Ich habe die Idee kopiert und seit 2008 auf jedem meiner Macs einen Hirnflimmern-Ordner geführt. Nach meiner Redaktionsszeit landeten darin vorwiegend unveröffentlichte Texte, Rants und – der Einfachheit halber, weil ich wusste, dass ich diesen Ordner garantiert nicht lösche – Rezepte. Nun wird dieser Ordner Zug um Zug veröffentlicht und online weiterwachsen. Hirnflimmern ist ein konzeptloses Sammelsurium an Rants, Rezepten, Kurztexten, Tipps, Tricks – kurz: Ein «Chrüsimüsi» der Themen, die mich in meinem Leben so beschäftigen.

Du hast bis hier durchgehalten? Respekt! Ich wünsche dir weiterhin viel Spass mit Hirnflimmern.