25 Freunde?! – Wir müssen reden…

Seit Tagen zucken mir die Finger. Jedes Mal, wenn ich mich auf Facebook anmelde, die gleiche Leier: «Aktualisieren. Es funktioniert!! Ich habe einen ganz neuen Newsfeed…» Ich will mir die Qualen ersparen und verzichte darauf, hier den ganzen (btw in ganz grausigem Deutsch verfassten) Quatsch niederzuschreiben. Ihr ahnt es: BULLSHIT!

Ich hasse diese Facebook-Kettenbriefe zutiefst. Und immer wieder haben sie mich dazu verleitet, selber böse Postings abzusetzen.Diese Form der Erziehung funktioniert offensichtlich nicht. Und weil mir ja ein so böser, neuer Facebook-Algorithmus zugeteilt wurde, sehen immer nur die gleichen – ca. 25 Freunde – meine Posts… Bringt ja dann auch nix.

Aufklärung statt Ablästern

Spass beiseite. Ich versuche es nun mit einer neuen Strategie: Aufklärung! Nerven werde ich mich in diesem Internet immer wieder, das ist unvermeidbar. Aber vielleicht schaffe ich es mit diesem Blogpost, wenigstens zwei, drei Personen innerhalb und ausserhalb meines Newsfeeds aufzuklären und so zumindest das Ärgernis «grenzdebile Facebook-Kettenbriefe» etwas einzudämmen (zumindest was das Thema Newsfeed & Algorithmus angeht, es kommen ja bestimmt bald wieder neue Hoaxes zum Vorschein). Vor allem aber möchte ich, dass sich weniger Menschen, insbesondere auch meine (Facebook-) Freunde, dumm anstellen.

«Let me google that for you…»

Nein, ich werde hier nicht erklären, warum das mit dem «Aktualisieren des neuen Algorithmus» durch das sinnbefreite Kopieren einer grammatikalisch kreuzfalsch verfassten Facebook-Statusnachricht nicht funktioniert. Das haben bereits genug andere getan. Hier ein paar Hinweise (nein, nicht aus der Lügenpresse, sondern von durchaus seriösen Medien):

Nun geht es aber ans Eingemachte. Was kann ich tun, wenn mir der böse Facebook-Algorithmus nicht das anzeigt, was ich sehen will?

Das kleine Algorithmus-Einmaleins

Ganz zu Beginn das kleine Algorithmus-Einmaleins: Facebook versucht Dir möglichst viele Inhalte anzuzeigen, die dir gefallen könnten. Das ist die Grundfunktion des Algorithmus, darauf baut das Geschäftsmodell von Facebook auf. Je länger du angemeldet bist und dir die Finger wundscrollst, umso besser. Es können dir so mehr Werbeeinblendungen angezeigt werden (die jemand bezahlt) und gleichzeitig lernt Facebook immer mehr über dein Verhalten, deine Vorlieben und deine Interessen. Zudem ist Facebook darauf ausgelegt, möglichst viele Interaktionen zu generieren. Was irgendwo wild kommentiert, geliked und geteilt wird, erhält eine grössere Verbreitung – da es augenscheinlich die Menschen interessiert, auch wenn es falsch ist. Der Algorithmus unterscheidet nicht zwischen richtig und falsch sondern zwischen wichtig und belanglos. Womit wir wieder bei diesen vermaledeiten Kettenbriefen wären (oder bei allen anderen Empörungsgeschichten und Fake News, aber diese Büchse öffne ich hier vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt).

Die Währung heisst «Interaktion»

Wie genau der Facebook-Algorithmus funktioniert, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Zudem verändert er sich ständig. Was heute gilt, ist morgen bereits wieder passé. Sicher ist, dass Facebook dir möglichst den für dich relevanten Content anzeigt. Wenn du also Beiträge eines Freundes oft likest, kommentierst oder teilst, ist es ziemlich sicher, dass dieser Freund regelmässig in deinem Newsfeed auftaucht. Auch wenn du angibst, mit jemandem in einer Beziehung zu leben oder verwandt zu sein, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Du praktisch jeden «Facebook-Furz» von ihm/ihr mitbekommst. Es ist fast schwieriger, so einen nervtötenden Verwandten wieder aus dem eigenen Feed zu kriegen. Ähnlich funktioniert es mit abonnierten Seiten. Wenn Du gar nichts mit einem Post eines Unternehmens in deinem Newsfeed anfangen kannst, dann handelt es sich mit grösser Wahrscheinlichkeit um eine schlecht aufgebaute Werbeanzeige.

Sag Facebook, was du sehen willst

Du kannst Facebook aber auch mitteilen, was für dich relevant ist (falls dein Newsfeed tatsächlich regelmässig komplett daneben liegt). Das geht ganz einfach für 30 Seiten oder Personen, von denen Du möglichst keine Inhalte verpassen möchtest. Nachfolgend eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Du das im Browser (also am PC) oder in der App tun kannst.

Anleitung für den Browser

  1. Als erstes öffnest du die Einstellungen (oben rechts, kleines, graues Dreieckchen, das nach unten zeigt). Dort findest Du den Eintrag News Feed-Einstellungen. Diesen wählst Du aus:
  2. Nun öffnet sich ein Fenster mit den div. Einstellungen, die Du vornehmen kannst (je nachdem, in welcher Sprachversion Du Facebook nutzt, sind die Übersetzungen etwas halbseiden):
  3. Als erstes kannst Du wählen, welche 30 Personen oder Seiten Du oben in deinem News Feed angezeigt haben möchtest (einfach auf die gewünschten Personen/Seiten klicken, dann werden Sie mit einem blauen Stern markiert):
  4. Danach kannst Du entscheiden, von wem Du keine Beiträge mehr erhalten möchtest (gleiches Vorgehen wie oben, gilt auch für Personen und Seiten). Keine Sorge, die Betroffenen erfahren nichts davon:
  5. Im nächsten Schritt siehst Du, welchen Personen und Seiten du nicht mehr folgst (und seit wann…). Hier hast du die Möglichkeit, wieder zu folgen, falls du fälschlicherweise jemanden aus deinem Feed geknallt hast:
  6. Danach schlägt dir Facebook noch Seiten vor, die deinen Interessen entsprechen könnten (weil sie deinen Freunden gefallen, weil du eine Seite in einem Post getagged hast, etc.). Hier kannst du diese Seiten einfach mit «Gefällt mir» markieren & abonnieren:
  7. Zum Schluss kannst du noch überprüfen, welche Inhalte du geblockt hast (ich sage nur Candy Crush Saga & Farmville *augenroll*)

Anleitung für die App

Bei der App funktioniert das Spielchen ähnlich…

  1. Gehe in die Einstellungen (die drei Querstreifen unten rechts am Display) und scrolle bis du zum Menüpunkt Einstellungen und Privatsphäre gelangst:
  2. Diesen Menüpunkt wählst du an. Dann heisst es noch mal weit nach unten scrollen, bis die News Feed-Einstellungen auftauchen.
  3. Diese wählst du an und von hier an ist das Vorgehen gleich wie im Browser:

Priorisierung von Beiträgen: Einfach mal die Ansicht wechseln

Was auch helfen kann, um andere Inhalte angezeigt zu kriegen, ist  die Ansicht im News Feed zu wechseln. Im Browser klickst du dafür im Menü auf der linken Seite auf die drei grauen Punkte hinter News Feed. Nun kannst du auswählen, ob du die Top-Meldungen oder einfach die neusten Beiträge sehen willst. Standard ist Top-Meldungen und du musst das leider immer wieder ändern, wenn du Facebook öffnest.

In der App ist es etwas versteckter: Hier musst du wieder in die Einstellungen klicken (die drei Querbalken unten rechts) und dann findest du unter dem Menüpunkt «Mehr anzeigen» die Option Neuste Meldungen. Auch hier musst du die Einstellung immer wieder neu vornehmen, wenn du die App öffnest.

Probiert das doch mal aus! Ganz generell empfiehlt es sich, ab und an einen Frühlingsputz auf seinem Facebook-Profil durchzuführen. Dazu gehört es, sich anzuschauen, welche (peinlichen) Seiten man denn alle mit «Gefällt mir» markiert hat, wie es in den Privatsphäre-Einstellungen ausschaut und ob man eventuell mit der einen oder anderen Person bloss noch proforma auf Facebook befreundet ist, beispielsweise mit dem Mann der Ex-Chefin, dessen Freundschaftsanfrage man sich damals nicht getraut hat, abzulehnen. Wie das genau mit der Privatsphäre funktioniert, wie man «ausmisten» kann und wozu «Freundeslisten» gut sind, erkläre ich hier beim nächsten Mal.

Anmerkung: Da sich Facebook laufend verändert, kann es gut sein, dass all die vorgestellten Funktionen bereits Morgen nicht mehr da sind (oder ganz anders heissen, aufzurufen sind, etc.). Ich bemühe mich, bei genügend Zeit, den Beitrag regelmässig zu aktualisieren. Stand: 19.09.2018.

Hesch öppis z'mälde?



© 2020 | Irene Thali | Interlaken | Realisation: fremdefeder.ch